Laudatio Laurence Yadi und Nicolas Catillon

Preisträger 2011

Liebe Laurence, lieber Nicolas
Liebe Mitglieder der Jury
Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist Jo Cuche und mir eine Ehre und vor allem eine grosse Freude, die Laudatio für den Schweizer Tanz- und Choreografiepreis 2011 zu halten, denn wir durften die Cie. 7273 schon zweimal an unserem Festival «Neuchâtel scène ouverte» begrüssen.

Um diese Ansprache vorzubereiten, habe ich erst ganz naiv in Google das Suchwort «7273» eingegeben. Mit Erstaunen habe ich erfahren, dass 7273 die Bezeichnung für ein Gen des Homo Sapiens ist. «Das Gen 7273 codiert ein grosses, häufig auftretendes Protein der quergestreiften Muskulatur. Das Produkt dieses Gens ist in zwei Bereiche, einen N-terminalen I-Band und einen C-terminalen A-Band unterteilt. Das I-Band, das den elastischen Teil des Moleküls bildet, enthält zwei Regionen der Tandem-Immunglobulin-Domänen … etc.»

Abgesehen vom Bezug zur Muskulatur, der Elastizität, die Euch eigen ist, und der Erwähnung des Tandems, fand ich nicht viel Übereinstimmung mit dem Thema des heutigen Anlasses. Also bin ich wieder in Eure persönlichen Dossiers eingetaucht, die unter anderem eine Erklärung für den Namen Eurer Kompanie 7273 enthalten: es handelt sich ganz einfach um Eure Geburtsjahre.

Und ebenso einfach fallen in diesem Dossier die Erklärungen zu Euren Ausbildungen und zum Beginn Eurer Karriere aus:

«Laurence Yadi schliesst ihre Sportausbildung 1991 in Paris ab. Zwei Jahre später erhält sie ein Stipendium für die Alvin Ailey School in New York».

Und für Nicolas:
«Nachdem er Sänger und Gitarrist der Gruppe Cryse 17 war, begann Nicolas Cantillon 1989 eine Tanzausbildung am Conservatoire Marius Petipa in Paris.»

Es folgen zwei, drei Zeilen zu den Kompanien und Choreographen, mit welchen Ihr kurz nach dem Abschluss Eurer Ausbildung zusammengearbeitet habt. Eine Zeit wohlgemerkt, in welcher jeder von Euch seinen eigenen Weg sucht, seine Technik perfektioniert und seine eigene künstlerische Sprache entwickelt. Welche Bescheidenheit!

Es dauerte nicht lange, bis wir Euch ganz vorne auf der Bühne zu sehen bekamen. Schon 2003 landet Ihr (verzeiht mir den Ausdruck) mit Eurer ersten Choreographie einen grossen Coup: «La vision du lapin». Von begeisterten Kritikern in der Schweiz und im Ausland für ihren Humor und ihre Ausgefallenheit gefeiert, war diese erste Produktion bereits der Schlüssel, der Euch die Tür zu jenem exklusiven Club von Schweizer Kompanien öffnete, die auf Tourneen die Welt bereisen. Doch der Erfolg ist Euch nicht zu Kopf gestiegen – Ihr seid – den Kopf mit einem Helm gut geschützt – auf Eurer Baustelle geblieben und habt an Eurer Kunst weitergebaut. Bis zu Eurer letzten Produktion «NIL» (2011) – ein grosses Werk für sechs Tänzer und Tänzerinnen – durften wir uns von Euch so gut wie jedes Jahr mit einem neuen Werk beschenken lassen.

Im Lauf der Jahre habt ihr zu zweit Eure eigene choreographische Sprache entwickelt: vom Tanz (fast) ohne Bewegung in «Simple proposition» (2004) bis hin zum beinahe obsessiven Tanz in «Climax» (2006), der – nahe an einer mystischen Trance – seine fliessenden Bewegungen dennoch stets kontrolliert. Diese dritte Produktion begleitete Euch wie ein Faden der Ariadne durch die folgenden Jahre. Sie inspirierte «On stage» (2007) und – im gleichen Jahr – «Merry-go-round» für das Ballet Junior in Genf. 2009 wurde «Climax» überarbeitet und von Euch zu «Listen & Watch» weiterentwickelt, 2010 – In «Figure 5» – entstand aus dem choreographischen Material von «Climax» das Thema zu einem kurzen Stück mit drei Tänzern und einem Schlagzeuger. Diese Choreographien verstehen sich nicht als Serie: «Climax 1», «Climax 2», und «Climax – die Rückkehr». Vielmehr geht mit jeder dieser Produktionen ein neuer Schaffensprozess und eine neue Reflexion über das ursprüngliche Konzept mit einher, und jede ist für sich ein Schritt in Richtung jener Perfektion, die Ihr mit Eurer Arbeit anstrebt.

Eine ganz andere Saite schlägt Ihr in «Romance-s» (2009) an, eine Ode an die Paarbeziehung und die Liebe, jubilierend und tief schwarz zugleich. 45 Minuten lang innige Gemeinsamkeit und intensives Zusammensein zwischen Euch Künstlern und dem Publikum, in absoluter Stille, die nur dann und wann vom Atem der Tänzer durchbrochen wird.

Eure Liebe zum Humor fand in den verspielten, parodistischen und poetischen Themen von «Laï, laï, laï, laï» (2008) ihren Ausdruck. Genauso wichtig ist für Euch die enge Zusammenarbeit mit Musikern (zum Beispiel mit Polar oder mit dem Ensemble für zeitgenössische Musik «Contrechamps»). Selbst die Filmkunst gehört zu Eurem Kunstschaffen: Eure drei Kurzfilme «Unrendered», «Simple proposition» und «Durée déterminée» wurden in rund zehn Ländern über hundert Mal gezeigt.

Ihr habt Euch in der Kunstvermittlung engagiert, Workshops zur Sensibilisierung durchgeführt, in Schulen gearbeitet und in zeitgenössischen Kunsträumen interdisziplinäre Performances mitgestaltet. Und dies alles in knapp acht Jahren!

Angesichts der kurzen Zeit, die mir für diese Laudatio zur Verfügung steht, werde ich nun nicht auf Zitate aus Eurem Pressedossier zurückgreifen (das übrigens 380 Gramm wiegt), sondern nur einige Zahlen aufzählen, die es wert sind, zitiert zu werden. Ihr habt bis heute zehn Choreographien und drei Kurzfilme geschaffen. Ihr habt mit Euren Stücken 21 Länder bereist, und auf diesen Tourneen in 99 Städten 235 Mal auf einer Bühne getanzt. Das sind mindestens 28 000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die das Glück hatten, Euch zu sehen und Euch zu applaudieren – ohne jene in diese Rechnung einzuschliessen, die heute Abend hier anwesend sind. Die Auszeichnung, die Euch hier verliehen wird, ist mehr als verdient.

Doch da ich im Grunde Wissenschaftler und nicht Künstler bin, kann ich der Versuchung nicht widerstehen, mit Euch ein kleines Zahlenexperiment durchzuführen. Dafür muss ich Euch zunächst daran erinnern, dass NIL nicht nur der Fluss ist, der im Zentrum Eurer gleichnamigen, neuesten Choreographie steht. In der Wissenschaft ist NIL auch Null, oder besser: Nichts!

Wenn man 72+73 rechnet, erhält man die Summe 145.
Errechnet man nun wieder die Quersumme aus 1+4+5, so erhält man 10.
Und da die Null gleich NIL ist (also: nichts), kann man sie ohne Bedauern weglassen und erhält eine 1.
Wenn man mit 7+2+7+3 gleich verfährt, erhält man 19.
Rechnet man 1+9 zusammen, lautet das Resultat wiederum 10.
Entfernt man nun wieder, wie oben, die Null, so bleibt wieder die 1. Bingo!

Aber es geht noch besser. In einem binären System, das nur aus 1 und 0 besteht (wie in einem Computer) gilt:
1=001
2=010
3=011
4=100
5=101, und so weiter.

In der klassischen Mathematik seid Ihr als Paar 1+1=2, oder mit einem binären Code ausgedrückt: 10. Und wenn wir nun wieder diese verflixte Null entfernen ….

Was schliesse ich nun daraus? Dass es Euch durch Eure innige Verschmelzung sogar gelingt, die Mathematik Lügen zu strafen, denn wie immer man es dreht und wendet, man kommt immer zum gleichen Resultat: 7273=1.

Der Beweis ist Euch gelungen: Ihr seid für wahr ein geeintes und einzigartiges Paar!

Zusammen mit den Mitgliedern der Jury gratulieren Jo Cuche und ich Euch ganz herzlich zu diesem wohlverdienten Schweizer Tanz- und Choreografiepreis 2011. Bravo!

François Nyffeler et Jo Cuche

www.cie7273.com | Broschüre Compagnie 7273 – Tanzpreis-Gala 2011 folgt


Laudatio Laurence Yadi et Nicolas Catillon

Lauréats 2011

Mesdames et Messieurs les membres du jury
Chère Laurence, cher Nicolas
Mesdames et messieurs

Jo Cuche et moi-même avons été sollicités afin de prononcer cette laudatio pour le prix de la Danse Suisse 2010. C’est à la fois un honneur mais aussi un grand plaisir puisque nous avons eu l’occasion d’accueillir la Cie 7273 à deux reprises dans notre festival «Neuchâtel scène ouverte».

Pour préparer cette intervention, j’ai naïvement commencé par interroger Google avec le mot-clé «7273». Avec un certain étonnement, j’ai découvert que 7273 est le matricule d’un gène de l’Homo Sapiens. «Le gène 7273 encode une grosse protéine abondante du muscle strié. Le produit de ce gène est divisé en deux régions, un terminal-N / bande-I et un terminal-C / bande-A. La bande-I qui est la partie élastique de la molécule, contient deux régions de domaines en tandem d’immunoglobulin …..etc.»

A part la référence musculaire, l’élasticité qui vous est propre et la notion de tandem, cela n’avait pas grand-chose à voir avec le sujet de ce jour. Je me suis donc replongé dans vos dossiers personnels, qui explicitent par ailleurs le nom de votre compagnie, simple contraction de vos années de naissances.

Force est pourtant de reconnaître que l’information concernant votre formation et le début de votre carrière est assez lapidaire dans ces dossiers:

«Laurence Yadi achève un cycle sport-étude à Paris en 1981. Deux ans plus tard, elle obtient une bourse pour intégrer le centre Alvin Ailey de New-York».

et pour Nicolas :

«Après une expérience de chanteur guitariste dans le groupe Cryse 17, Nicolas Cantillon débute une formation de danse au Conservatoire Marius Petipa en 1989.»

Suivent deux ou trois lignes avec les noms de compagnies ou de chorégraphes avec lesquels vous avez collaboré durant votre période post-apprentissage, période pendant laquelle chacun cherche sa voie, affine sa technique et développe sa propre sensibilité. Quelle modestie!

Mais il n’a pourtant pas fallu attendre bien longtemps pour vous retrouver sur le devant de la scène. En 2003 déjà, vous frappez un grand coup (si l’on peut dire!) avec votre première création «La vision du lapin». Saluée par des critiques dithyrambiques tant en Suisse qu’à l’étranger pour son humour et son esprit déjanté, cette pièce a sans conteste été le sésame qui vous a ouvert les portes du club restreint des compagnies suisses tournant de par le monde. Ce succès ne vous a pas pour autant fait gonfler la tête, d’ailleurs encore soigneusement protégée par vos casques de chantier. Au contraire, jusqu’à votre dernière production «NIL» en 2011, une œuvre majeure pour 6 danseurs, vous nous avez pratiquement chaque année gratifiés d’un nouvel opus.

Au fil des ans, vous avez ainsi créé, en couple, votre propre langage chorégraphique : de la danse sans mouvement (ou presque), une sorte de photorama animé ou de super ralenti dans «Simple proposition» (2004); de la danse quasiment obsessionnelle, parfois proche de la transe mystique mais totalement contrôlée par la fluidité du mouvement comme dans «Climax» (2006). Cette troisième création semble d’ailleurs être restée une sorte de fil d’Ariane dans votre évolution. Elle a notamment inspiré «On stage» (2007), puis la même année «Merry-go-round» (2007) pour le Ballet Junior de Genève. Vous l’avez revisitée en 2009 sous le titre de «Listen & Watch», puis son matériel chorégraphique a servi de trame pour « Figure 5 » (2010), une pièce courte pour trois danseurs et un batteur. Mais ce n’était pas pour autant quelque chose comme «Climax 1», «Climax 2» ou «Climax le retour». C’était à chaque fois une refonte et une nouvelle réflexion sur le concept originel, une démarche vers la perfection à laquelle vous aspirez.

Enfin, dans un tout autre registre, avec «Romance(s)» (2009), vous nous avez offert une symphonie jubilatoire en noir éclatant, une ode au couple et à l’amour, 45 minutes de partage et de communion intense avec le spectateur, dans un silence total à peine troublé parfois par le halètement des danseurs.

Bien sur, friands d’humour à tous les degrés, vous vous êtes aussi divertis avec les thèmes plus ludiques, parodiques et poétiques de «Laï, Laï, Laï». Et dans le cadre de vos créations chorégraphiques, vous avez travaillé avec des musiciens (comme Polar ou l’ensemble de musique contemporaine «Contrechamp»). Vous avez goûté au cinéma, avec vos trois courts métrages «Unrendered», «Simple proposition» et «Durée déterminée» présentés dans une dizaine de pays, soit une centaine de projections. Vous avez participé à des activités de médiation culturelle, des ateliers de sensibilisation, des interventions pédagogiques dans les milieux scolaires, des performances transversales dans des espaces d’art contemporain, etc. Et tout cela en 8 ans à peine!

Vu le temps imparti pour cette laudatio, je ne vais évidemment pas reprendre des citations dans votre dossier de presse. (380 grammes, je l’ai pesé!). Mais il contient quelques chiffres qui méritent d’être cités ici. Vous avez à ce jour signé dix pièces chorégraphiques et 3 courts métrages. Vous avez dansé vos pièces dans 21 pays, soit 235 représentations dans les 99 villes visitées. Ce sont ainsi au moins 28 000 spectateurs qui ont eu le bonheur de vous applaudir, sans compter ceux qui sont là ce soir évidemment. Ceci justifie donc pleinement la récompense qui vous est décernée aujourd’hui.

Mais comme je suis à la base un scientifique et non un artiste, je ne résiste pas au plaisir de vous proposer un petit exercice de numérologie. Pour cela je rappellerai que NIL ce n’est pas uniquement le fleuve au centre de votre dernière création. En science, NIL c’est aussi zéro, c’est-à-dire rien du tout!

Ainsi, si l’on additionne 72+73, on obtient 145.
En additionnant à nouveau 1+4+5, on obtient 10
Et comme zéro c’est NIL (donc rien du tout), on peut l’enlever sans regret. Il reste donc 1.
Si l’on fait de même avec 7+2+7+3, on obtient 19.
En additionnant 1+9, on obtient à nouveau 10
Et comme ci-dessus, si on enlève le zéro, à nouveau il reste 1! Bingo

Mais y a mieux. En notation binaire (donc uniquement avec des 1 et des 0, comme dans les ordinateurs):
1=001
2=010
3=011
4=100
5=101, etc

En mathématique classique, votre couple c’est 1+1=2, ce qui équivaut à 10 en notation binaire.
Et si nous enlevons ce satané zéro…….

Ma conclusion? C’est qu’au travers de votre fusion intime, vous réussissez même à faire mentir les mathématiques, puisque dans tous les cas on arrive au même résultat: 7273=1.

Il est vrai que vous avez su nous prouver que vous êtes un couple unique et uni!

Jo Cuche et moi-même nous associons aux autres membres du jury et vous félicitons encore chaleureusement pour ce prix de la Danse Suisse 2010 bien mérité. Un grand bravo!

François Nyffeler et Jo Cuche

www.cie7273.com | Brochure Compagnie 7273 – Gala 2011 suit