Laudatio Zimmermann & de Perrot

Preisträger 2009

Weltenerfinder auf Weltreise

Lieber Martin Zimmermann, lieber Dimitri de Perrot
Sehr geehrte Damen und Herren

Ich freue mich, die Laudatio auf Zimmermann & de Perrot und ihr Stück «Öper Öpis» zu halten. Denn die eigenwillige Welt, welche die beiden Künstler auf der Bühne entstehen lassen, hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Zimmermann & de Perrot begeistern mit kleinen Geschichten und mit grossem Humor, mit alltäglichen Beobachtungen und magischem Zauber. Die beiden Künstler haben mich sogar dazu gebracht, ernsthaft darüber nachzudenken, ob die Welt am Ende nicht doch eine Scheibe ist.

Im Stück «Gaff Aff» jedenfalls ist die Welt ein Plattenteller, der sich unaufhörlich dreht und einen gestressten Büromenschen buchstäblich zum Rotieren bringt. Im Stück «Öper Öpis», das wir heute Abend auszeichnen, ist die Erde ebenfalls eine Scheibe, wenn auch eine viereckige. Vor allem aber ist sie alles andere als stabil. Zimmermann & de Perrot haben eine bewegliche Ebene geschaffen, die auf das Gewicht der Akteure reagiert und ständig im Kippen begriffen ist. Für die Artisten und Artistinnen ist das eine unvergleichlich hohe Herausforderung. Für das Publikum ist es ein eindringliches Bild der conditio humana, in der nichts so sicher ist wie die Unsicherheit. Wie Sisyphus kämpft sich einer auf dieser Bühne aufwärts – und erreicht damit doch nur, dass das Gleichgewicht kippt und er wieder ganz unten steht. Und auch die anderen Personen verlieren – nicht nur symbolisch gesprochen – immer mal wieder den Boden unter den Füssen.

So schafft der Raum, diese unebene Ebene, im Stück immer zwei Ebenen: eine konkrete und eine sinnbildliche. Diese Vielschichtigkeit macht die Stücke von Zimmermann & de Perrot so ausdrucksstark und das Zuschauen so spannend. Sie gibt den Stücken quasi einen doppelten Boden. (Was die Artisten übrigens nicht haben, sie machen ihre Kunststücke ohne Sicherung.)

Überhaupt zeichnen sich Zimmermann & de Perrot dadurch aus, dass sie scheinbare Gegensätze produktiv vereinen: Höchst reflektiert zu arbeiten, und doch die Lust am Spiel nie zu verlieren. Die Fachwelt ebenso zu begeistern wie das breite Publikum. Eine ganz eigene Welt zu kreieren, die Türen dazu aber immer weit offen zu halten. Den Zauber des Zirkus ins Theater zu holen, und die Magie des Theaters zu den Artisten zu bringen.

Gegensätze bestimmen auch den täglichen Dialog. Denn Dimitri de Perrot und Martin Zimmermann sind eigentlich recht unterschiedliche Menschen. Sie sind auch ganz andere Wege gegangen. Der eine ist Autodidakt und bringt sich das Auflegen und Komponieren von Musik seit frühester Jugend selber bei. Der andere besuchte in Frankreich die renommierte Zirkusschule Centre National des Arts du Cirque. Kennen tun sie sich schon ewig. In Zürich sind sie sich als Jugendliche begegnet, an Partys, an denen Dimitri seine ersten Versuche als DJ machte. Inzwischen haben sie viel zusammen erreicht und erlebt. Aber im Grunde – so erzählen die beiden – machen sie immer noch das Gleiche: Dimitri legt Platten auf und Martin tanzt dazu.

Themen und Figuren finden Zimmermann & de Perrot in ihrem Alltag. Dass die beiden Künstler ganz grundsätzlich die Menschen lieben und deshalb gern beobachten, das spürt man ihren Figuren an. Für «Öper Öpis» haben sie ein sorgfältiges Casting gemacht. Gefunden haben sie Artistinnen und Artisten, Tänzerinnen und Tänzer, die bereit sind, ihr Handwerk auf ungewohnte Weise einzusetzen und auch ihre Persönlichkeit einzubringen. Zimmermann & de Perrot suchen das Individuelle ihrer Mitwirkenden, das sie dann während dem langen Probenprozess in ihre unverkennbare Welt integrieren.

Diesen Persönlichkeiten stellen sie einen ebenso eigensinnigen Raum entgegen. Aus diesem entwickelt sich das ganze Geschehen. Entsprechend sorgfältig planen Martin Zimmermann und & Dimitri de Perrot ihre Bühnenbilder; sie basteln Modelle und hoffen verzweifelt und zuversichtlich darauf, dass ihr Bühnenbauer die vertrackten Ideen auch umsetzen kann. Dazu gehören auch die Dinge: Tische, Stühle, Bretter. Die Konfrontation von Menschen und Dingen durchzieht die ganze Welt von Zimmermann & de Perrot. Im ausgezeichneten Stück haben sie sie explizit zum Thema gemacht. Schon der Titel «Öper Öpis» verrät, dass sich die Menschen und die Dinge nicht ganz so klar unterscheiden wie man gemeinhin denkt. Ein Mensch, der etwas erreicht hat, der ist jemand. Man könnte aber auch sagen: Aus dem ist etwas geworden. Etwas. Und während sich die Akteure manchmal gegenseitig wie Gegenstände behandeln, entwickeln die Dinge ein geisterhaftes Eigenleben. Tische schlittern unversehens über die Bühne, Stühle tanzen wie von selbst ein elegantes Ballett. Die Artisten und Tänzer wiederum sind keine perfekten «Maschinen»; Zimmermann & de Perrot zeigen sie als Menschen, mit ihrer Angst vor dem Scheitern und ihrer Freude übers Gelingen.

Der Humor ist essentiell für das Werk, doch er darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ohne Präzision gar nichts geht. Zimmermann & de Perrot arbeiten seit ihren Anfängen äusserst exakt, professionell und auf hohem Niveau. Das vielschichtige, enge Zusammenspiel von Raum, Musik, Tanz und Akrobatik verlangt eine ungeheure Genauigkeit. Jede kleinste Geste wird notiert. Und wenn das Stück eigentlich fertig ist, dann beginnt erst das Üben. Denn die Akteure sind technisch extrem gefordert. Erst nach vielen Durchläufen können sie freier spielen.

Nach 50 Vorstellungen würden ihre Stücke so langsam richtig gut, sagen Zimmermann & de Perrot. Ein Glück, dass es auch so weit kommt. Dass sie mit ihrem Mikrokosmos in aller Welt gefragt sind und überall die Menschen begeistern können. Denn das ist ja ihr Antrieb: Erwachsene und Kinder zum Lachen und zum Staunen zu bringen. – In diesem Sinne: Gute Reise! Und möge eure kleine, flache Welt die grosse Kugel noch viele Male umkreisen.

Felizitas Ammann

www.zimmermanndeperrot.com | Broschüre Zimmermann & de Perrot – Tanzpreis-Gala 2009 (pdf 4.2 MB)


Laudatio Zimmermann & de Perrot

Lauréats 2009

Le tour du monde des inventeurs de mondes

Cher Martin Zimmermann, cher Dimitri de Perrot
Mesdames et Messieurs,

Je suis très heureuse de prononcer la laudatio en l’honneur de Zimmermann & de Perrot et de leur pièce Öper Öpis. En effet, le monde singulier créé sur scène par ces deux artistes m’a toujours fascinée. Zimmermann & de Perrot suscitent l’enthousiasme grâce à de petites histoires et à un grand humour, à des observations du quotidien et à un enchantement magique. Les deux artistes m’ont même amenée à me demander sérieusement si finalement la Terre n’était pas tout de même un disque plat.

Dans le spectacle Gaff Aff, en tout cas, le monde est un disque, ou plus précisément la platine d’un tourne-disque qui ne cesse de tourner et entraîne dans sa rotation un employé de bureau stressé. Dans Öper Öpis, que nous récompensons ce soir, la Terre est aussi un plateau, bien qu’il soit de forme carrée. Mais il est surtout très peu stable. Zimmermann & de Perrot ont créé une surface mouvante qui réagit au poids des interprètes et semble basculer à tout moment. Pour les artistes, il s’agit d’un défi de nature incomparable. Pour le public, c’est une image pénétrante de la condition humaine, où rien n’est aussi certain que l’incertitude. Tel Sisyphe, un personnage se bat pour escalader la scène – et ne parvient qu’à faire basculer l’équilibre et à se retrouver de nouveau tout en bas. Et d’autres personnes voient aussi – au figuré comme au propre – le sol se dérober encore et toujours sous leurs pieds.

Ainsi l’espace, ce plateau jamais «à plat», crée deux niveaux dans ce spectacle : un plan concret et un plan métaphorique. C’est cette pluralité de vues qui rend les créations de Zimmermann & de Perrot si expressives et qui en fait des objets fascinants à découvrir. Elle confère aux pièces une sorte de double-fond. (Dont les interprètes ne profitent d’ailleurs pas, qui jouent leurs figures sans filet.)

De manière générale, Zimmermann & de Perrot se distinguent en ce qu’ils unissent de façon productive des extrêmes apparemment opposés : travailler sur un mode hautement réfléchi et pourtant ne jamais perdre le plaisir du jeu. Enthousiasmer autant le monde professionnel que le grand public. Créer un monde qui leur est tout à fait propre tout en gardant ses portes toujours grandes ouvertes. Faire entrer au théâtre la magie du cirque et soutenir les artistes par l’enchantement du théâtre.

Les éléments opposés déterminent aussi le dialogue quotidien. Car Dimitri de Perrot et Martin Zimmermann sont somme toute des personnes assez différentes. Ils ont aussi suivi des voies très distinctes. L’un est autodidacte et a appris par ses propres moyens la diffusion et la composition de musique depuis sa première jeunesse. L’autre s’est formé en France au très renommé Centre National des Arts du Cirque. Les deux se connaissent depuis une éternité. Pendant leur adolescence, ils se sont rencontrés à Zurich dans des soirées où Dimitri faisait ses premiers pas de DJ. Depuis lors, ils ont atteint et vécu beaucoup de choses ensemble. Mais finalement, comme ils le racontent les deux, ils font toujours la même chose : Dimitri fait tourner les platines et Martin danse sur sa musique.

C’est dans le quotidien que Zimmermann & de Perrot trouvent leurs sujets et leurs personnages. On sent bien à travers ces derniers que les deux artistes aiment vraiment les gens et les observent volontiers pour cette raison. Pour Öper Öpis, ils ont procédé à un casting méticuleux. Ils ont ainsi trouvé des artistes et des danseurs prêts à engager leur savoir-faire de manière inhabituelle et à investir aussi leur propre personnalité. Zimmermann & de Perrot cherchent l’individualité de leurs interprètes pour l’intégrer dans leur monde singulier au cours du long processus de répétition.

Ils confrontent ces personnalités à un espace tout aussi individuel. Toute l’action se développe à partir de lui. En conséquence, Martin Zimmermann et Dimitri de Perrot conçoivent leurs décors avec beaucoup de soin ; ils bricolent des modèles et espèrent avec anxiété et confiance que les constructeurs pourront réaliser leurs idées complexes. Cela vaut aussi pour les accessoires : tables, chaises, planches. La confrontation de l’Homme et des choses traverse tout l’univers de Zimmermann & de Perrot. Elle est l’un des thèmes explicites du spectacle récompensé. Le titre Öper Öpis («quelqu’un quelque chose») trahit déjà que les Hommes et les choses ne se distinguent pas aussi clairement qu’on peut communément le penser. Une personne qui a atteint quelque chose est quelqu’un. Mais on pourrait aussi dire: il a su devenir quelque chose. Quelque chose. Et tandis que les interprètes se traitent parfois les uns les autres comme des objets, les choses acquièrent leur vie propre, comme fantomatique. Les tables traversent incidemment la scène, les chaises dansent comme par elles-mêmes un ballet élégant. Les artistes et danseurs ne sont pas, quant à eux, des «machines» parfaites; Zimmermann & de Perrot les présentent comme des êtres humains avec leur peur de l’échec et leur joie de la réussite.

L’humour est un élément essentiel de ce spectacle, mais il ne doit pas faire oublier que rien ne fonctionnerait sans précision. Zimmermann & de Perrot travaillent depuis leurs débuts de manière extrêmement exacte et professionnelle, et à un haut niveau. L’interaction étroite et complexe de l’espace, de la musique, de la danse et de l’acrobatie exige une extraordinaire précision. Le moindre mouvement est noté. Et le véritable travail ne commence que lorsque la pièce est mise en place. Car l’exigence technique à laquelle sont soumis les interprètes est extrême. Ce n’est qu’après de nombreux filages qu’ils parviennent à jouer plus librement.

Selon Zimmermann & de Perrot, leurs spectacles n’atteignent vraiment un bon niveau qu’après une cinquantaine de représentations. Et c’est une chance qu’ils en aient l’occasion. Que leur microcosme soit demandé dans le monde entier et qu’ils puissent partout fasciner leur public. Car c’est là leur moteur: faire rire et subjuguer les adultes et les enfants. – C’est en ce sens que nous vous souhaitons un bon voyage! Et puisse votre petit monde plat faire encore souvent le tour de notre sphère.

Felizitas Ammann

www.zimmermanndeperrot.com | Brochure Zimmermann & de Perrot – Gala 2009 (pdf 4.2 MB)